Kinderzentrum Allerweg – Tier- und Naturerfahrungen

Das Kinderzentrum ist eine pädagogische Freizeiteinrichtung in Linden/Süd, Hannover. Dorthin kommen nachmittags Kinder im Alter von sechs bis vierzehn Jahren aus unterschiedlichsten Nationen und den unterschiedlichsten Glaubensrichtungen. Besonderer Schwerpunkt der dortigen Arbeit liegt in der Integration von Kindern, die aufgrund ihrer familiären Situation oder eines Handicaps benachteiligt sind. Die MitarbeiterInnen des Projektes sehen sich in ihrer täglichen Arbeit mit den unterschiedlichen Beeinträchtigungen der Kinder konfrontiert. Ihnen in den Schwierigkeiten gerecht zu werden und sie zu fördern ist die Aufgabe und ein großes Anliegen im Kinderzentrum.

Da es therapeutisch und pädagogisch belegt ist, welch positive Naturerfahrungen und der Umgang mit Tieren auf diese Kinder hat, hatte der Leiter des o.g. Projektes folgenden Plan, den unsere Stiftung gern unterstützt hat:

Projekt “Tier- und Naturerfahrung für Kinder mit einem besonderen Förderbedarf”

Das Projekt setzt sich aus unterschiedlichen Projektbausteinen zusammen. Dazu gehören ein Besuch des Tiergartens in Hannover, des Tierparks Wiesentgehege, eines Bauernhofes, eine Führung durch den Zoo Hannover, bis hin zu einem gemeinsamen Wochenende auf einem Erlebnisbauernhof mit vielen Streicheltieren. Die einzelnen Aktionen werden mit unterschiedlichen Materialien im Kinderzentrum vorbereitet. Die einzelnen Bausteine bauen aufeinander auf. Das Begreifen von ersten Zusammenhängen zwischen Natur und Tierwelt wird beobachtet und erfasst. Auf dem Bauernhof wiederum wird die heutige Nutztierhaltung erklärt und im Hofladen erfahren, daß es gar nicht immer alle Produkte zu allen Zeiten gibt.
Im Zoo dagegen geht es um Artenvielfalt und –erhaltung.

Hier ein kleiner Bericht vom Ausflug mit der Waldpädagogin:
Von Linden-Süd zum Misburger Wald im Nordosten von Hannover fährt man mit dem Bus, der Stadtbahn oder dem Auto höchstens eine halbe Stunde. Und doch ist ein Ausflug dorthin für Kinder, die selten etwas anderes erleben als den Alltag in einem problematischen Umfeld, wie eine Fahrt in eine andere Welt. Naturerleben kommt ihrem Alltag eher selten vor.
Mit einem Waldpädagogen durften die Kinder den für sie unbekannten Lebensraum erfahren, den Wald und seine Bewohner kennenlernen. Bäume wurden gestreichelt, die sich anfühlten wie Elefanten- oder Krokodilhaut, die Höhle eines Spechts wurde entdeckt, mitgebrachte Felle und Geweihe der im Misburger Wald heimischen Tiere durften angeschaut und angefasst werden, sodass alle Kinder Gelegenheit hatten, den Wald zu fühlen, zu sehen, zu riechen.
Wer weiß wie die Markierung eines Rehbocks aussieht? Und wozu ist sie überhaupt gut? Vom Waldpädagogen lernten die Kinder, daß junge Rehböcke im Frühjahr beginnen, ihr Revier zu markieren, indem sie an Baumstämmen „fegen“. Das heißt, sie reiben den abgestorbenen Bast ihres Gehörns an Bäumen ab und verteilen über Duftdrüsen Markierungen. Dabei hinterlassen sie deutlich sichtbare Verletzungen an der Baumrinde. Einmal gesehen, fanden die Kinder schnell weitere Markierungen. Nachdem sie spielerisch vom Waldpädagogen viel über den Lebensraum Wald erfahren und gelernt hatten, durften sie mit Frottage-Technik selbst gesammelte Blätter mit Wachsmalern abpausen.
Letztes Highlight des Tages: Jedes Kind erhielt einen kleinen Spiegel. Hält man ihn vor die Nasenspitze und geht durch den Wald, fühlt man sich wie ein Vogel, der über den Baumwipfeln schwebt. Hält man den Spiegel vor die Stirn, ist man dem Waldboden so nah wie eine Waldameise. Bereichert kehrten die Kinder mit Ihren Betreuer*innen vom Kinderzentrum Allerweg wieder zurück nach Linden-Süd. Und alle glauben fest daran, dass auch das sechsjährige, stark entwicklungsverzögerte Mädchen, das sich allen Aktivitäten verweigert hat, kein Vogel, keine Ameise sein und auch nichts streicheln wollte, aus Angst gebissen zu werden, auf Ihre ruhige aufmerksame Weise den Wald auch mit allen Sinnen erlebt hat.

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