Domiziel

Im Frühjahr 2014 wurde in Dedenhausen bei Uetze das Domiziel eröffnet, das zehn bis sechzehn Jahre alten Jungen eine neue Heimat gibt.

Es sind Kinder aus schwierigen Verhältnissen, vielen von ihnen fehlt die Geborgenheit eines intakten Elternhauses, z.T. mit Verwahrlosungstendenzen. Sie sind großteils schon bei Polizei und Jugendamt aufgefallen. Viele der Kinder bringen sehr auffällige Verhaltensweisen mit. Sie haben beispielsweise ein gestörtes Sozialverhalten, schwache Impulskontrollen, selbst- oder fremdverletzendes Verhalten oder auch delinquentes Verhalten. Einige haben Alkohol- und Drogenprobleme. Es gibt Kinder mit psychosomatischen Beschwerden, Zwangsstörungen, Ängsten, depressiven Symptomen oder auch aggressivem oder hyperaktivem Verhalten. Bei den meisten vereint sich gleich eine Vielzahl von Auffälligkeiten. Die Kinder haben bereits viel hinter sich und die meisten von ihnen waren bereits in vielen unterschiedlichen Einrichtungen. Damit einhergehend gibt es massive Entwicklungsrückstände, auch in schulischer Hinsicht. So haben sie große Schulschwierigkeiten, sind z.T. gar nicht beschulbar.

Diese Kinder haben bereits viele Stationen hinter sich und nirgendwo dauerhaft ein Zuhause gefunden. Bislang scheinen die Probleme für sie unüberbrückbar und die Station Jugendgefängnis nur noch eine Frage der Zeit. Ihre Orientierungslosigkeit macht ihnen Angst und führt zu Aggressionen.

Dafür, dass die Jungen solch auffälliges Verhalten zeigen, gibt es erfahrungsgemäß Gründe. Häufig wurden sie bereits im Säuglingsalter emotional und körperlich vernachlässigt. Auch körperliche und sexuelle Misshandlungen gehen den Problemen voraus.

Mit einem familienähnlichen Zusammenleben, verlässlichen Beziehungen, einem engen gleichbleibenden Rahmen und viel Struktur will ihnen das Projekt Domiziel eine neue, positive Richtung für ihr Leben geben. Im Domiziel bekommen sie unbedingten Schutz und Rückhalt. Dies ist die Basis dafür, sich zu öffnen und Neues zu wagen. Sie bekommen Sicherheit und somit Raum für Entwicklung und Reifung.

Um dies zu erreichen, wird ihr Tagesablauf gut durchstrukturiert, Regeln müssen konsequent eingehalten werden. Dazu arbeiten alle Mitarbeiter eng zusammen und tauschen sich permanent aus. Die Betreuer schauen genau auf das Verhalten der Jungen und intervenieren bei Regel- oder Normverletzungen konsequent. Dieses dauernde Einmischen ist zunächst zwar sehr aufwändig für die Erzieher, jedoch lohnt sich diese Intervention. Denn damit wird den Kindern frühzeitig Fehlverhalten aufgezeigt und ihnen immer wieder die Möglichkeit zur Korrektur gegeben.

Parallel dazu werden schlummernde Ressourcen und Talente der Kinder hervorgearbeitet und gefördert. Dies gibt den Jungen die Möglichkeit sich aus sich selbst heraus positiv zu entwickeln und Erfolgserlebnisse zu haben. Die Angebote im Domiziel sind entsprechend groß und Hausmutter bzw. –vater kümmern sich intensiv darum auf die Belange und Interessen der Kinder einzugehen. So gibt es beispielsweise einen Tischler, der mit den Jugendlichen arbeitet und zusammen werden Möbel gebaut. Da werden einerseits Fähigkeiten vermittelt, aber auch die Möglichkeit gezeigt, etwas Produktives und Nützliches zu erschaffen.

Viel Wert wird im Domiziel auch auf gute Schulbildung gelegt. Schule findet intensiv mit viel Förderung in kleinen Gruppen statt. Erfahrungsgemäß ist damit die Beschulung bereits nach wenigen Wochen voll möglich und starke Defizite und Lücken können schnell aufgeholt werden, sofern die nötigen kognitiven Fähigkeiten vorhanden sind.

Wir sind von dem Konzept des Domiziel überzeugt und unterstützen die dortige Arbeit bereits seit langen. In Absprache mit unseren Spendern haben wir Domiziel Mittel zur Verfügung gestellt, die den Projektleitern zur freien Verfügung standen. Wir wissen, dass immer mal wieder nötige Ausgaben für die Jungen getätigt werden müssen. Auf diese Weise soll schnell und unkompliziert geholfen werden.

 

 

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