Reiten mit dem Kinderzentrum Linden

Das Kinderzentrum befindet sich im Allerweg in Linden-Süd. In diesem hannoverschen Stadtteil leben viele Familien aus sozialen Randgruppen, in denen es den Eltern häufig nicht gelingt, eine grundlegende Erziehungsleistung zu erbringen. Das familiäre Umfeld der Kinder ist dann zunehmend von Armut, Kriminalität, Alkoholismus oder Drogensucht der Erwachsenen geprägt. Oftmals werden sie mehr oder weniger sich selbst überlassen, vor dem Fernseher oder Computer ‚geparkt‘ und verwahrlosen nicht selten. Auch Gewalt und Missbrauch spielen eine Rolle. Das führt bei den betroffenen Kindern zu psychischen Problemen und körperlichen Beeinträchtigungen wie Konzentrationsschwäche, fehlende Ausdauer, Mutlosigkeit oder mangelndem Selbstvertrauen.

Das Kinderzentrum wird von Kindern mit den verschiedensten Charakterzügen und Eigenschaften besucht. Dabei ist es normal, dass es auch zu Streitigkeiten kommt. Manche Kinder verhalten sich dabei defensiv oder halten sich ganz raus, andere Kinder reagieren aggressiv und suchen sogar den Streit.

Das Projekt “Reiten“ im Kinderzentrum soll den Kindern helfen, mit eigenen Grenzen zu arbeiten. Manchen Kindern soll geholfen werden, eigene Grenzen zu überwinden und sich neuen Herausforderungen zu stellen. Andere Kinder müssen lernen, bestehende Grenzen zu akzeptieren und sich auch selbst welche aufzuzeichnen.

Die Kinder, die für das Projekt ausgewählt wurden, bilden die Extrema beider Gruppen. Sie sollen sich gegenseitig unterstützen, ihre Grenzen zu überwinden, um gemeinsam die Aufgaben zu bewältigen, die das Projekt mit sich bringen. Alle zwei Wochen fahren sie hierfür auf den Reiterhof, um durch den Umgang mit dem Pferd etwas über sich zu lernen und sich weiterzuentwickeln.

Vorab wurden die Kinder einzeln gefragt, ob sie Lust hätten, zum Reiten zu fahren, da nur Kinder an dem Projekt teilnehmen sollten, die wirklich Freude daran haben. Einige Kinder waren sofort begeistert, andere hatten Angst davor, was sie erwarten würde. Wieder andere haben klar gesagt, dass sie eigentlich Lust hätten, aber sich nicht trauen würden, auf ein Pferd zu steigen, da es sehr hoch, wackelig oder ungewohnt sei. So bildete sich die Gruppe aus unterschiedlichen Kindern mit verschiedenen Erwartungen, Ängsten und Motivationen.

Im Umgang mit dem Pferd gibt es verschiedene Aufgaben, die erledigt werden müssen. Gemeinsam mit der Reitlehrerin dürfen die Kinder das Pferd aus der Box holen und es gründlich putzen, um anschließend darauf reiten zu können. Nach der Reitstunde wird das Pferd erneut geputzt, die Utensilien ausgewaschen und weggeräumt und der Putzplatz gefegt.

Die Kinder beim Pferd

Die Kinder sollen die ihnen gestellten Aufgaben weitestgehend selbstständig erledigen und sich, wenn nötig, gegenseitig helfen. Das stellt manche Kinder vor eine Herausforderung, da sie sich entweder selbst zurücknehmen oder über den eigenen Schatten springen müssen.

Am ersten Tag waren alle Kinder recht zurückhaltend. Manche wollten sich direkt an das Pferd trauen, andere haben versucht, so viel Abstand wie möglich zwischen sich und das Pferd zu bringen. Es ging noch nicht darum, dass man später reiten würde, sondern vorerst um das Kennenlernen des Pferdes, der Abläufe und der Reitlehrerin. Dabei sollten die Kinder möglichst wenig Hilfe seitens der Erwachsenen erhalten, sie mussten sich gegenseitig helfen.

Mit der Zeit sind die Kinder selbstbewusster im Umgang mit dem Pferd geworden. Es musste nicht mehr so viel erklärt werden, da sie die Abläufe schon kannten. Nach dem Kennenlernen und Putzen der Pferde kam ab dem zweiten Besuch auch das Reiten auf dem Pferd hinzu. Zunächst haben sich das nicht alle Kinder zugetraut. Es bedurfte einiger Überredungskunst und positiver Zusprache, damit sich beispielsweise ein neunjähriges Mädchen überhaupt den Reithelm aufsetzte. Motiviert von dieser Geste setzte sich auch ihre Freundin einen Helm auf, die sich vorher auch nicht getraut hatte. Sogar die anderen Kinder ermutigten die beiden, sich aufs Pferd zu setzen und ließen sie in der eigentlich festen Reihenfolge vor.

Das erste Mal reiten war für alle Kinder ein Erfolgserlebnis und sogar ein sonst so mutiger Junge war ein bisschen kleinlaut und schaute nervös aufs Pferd und dann vom Pferd runter auf den Boden.

Die Übungen waren anfangs noch recht einfach und dienten dazu, das Kind mit dem Reiten vertraut zu machen, ihnen Mut zu verleihen und das Gleichgewicht zu trainieren. Die Kinder haben sich mit Begeisterung jeder neuen Herausforderung gestellt, sodass diese auch immer schwieriger werden konnten. Dabei war es schön zu sehen, dass sich die Kinder gegenseitig ermutigten und auch applaudiert hätten, wäre es nicht verboten gewesen, damit sich das Pferd nicht erschreckt. Auch andere Reiter haben den Mut der Kinder gelobt, was ihnen noch zusätzliche Freude bereitet hat.

 

Der Leiter der Einrichtung, Herr Bonk, stellte bereits nach wenigen Reitstunden unverkennbare Fortschritte fest. Ebenso wachsen Freude und ihr Mut der Kinder. Sie unterstützen sich plötzlich gegenseitig und bekommen immer mehr Selbstbewusstsein. Doch nicht nur die gegenseitigen Zusprachen steigern ihr Selbstbewusstsein, auch die eigenen Erfolgserlebnisse und die Komplimente der Betreuerin, der Reitlehrerin oder anderer Reiter tragen dazu bei.

Die Fortschritte, die die Kinder machen sind unterschiedlicher Natur. Einige freuen sich über immer größere Steigerungen beim Reiten, während es für andere ein riesen Erfolg ist, überhaupt auf das Pferd zu steigen und der Stute näher zu kommen. Doch jedes Kind steigert sich von Mal zu Mal auf seine Weise und nimmt etwas ganz Persönliches von den Stunden mit.

Um dieses Projekt realisieren zu können hat Mehr Aktion finanzielle Mittel bereitgestellt. Wir sind überzeugt davon, dass dieser Einsatz wichtig ist, denn den betreffenden Kindern tut es gut. Ohne dieses Projekt bekämen sie nicht die Möglichkeit, sich auf diese Art und Weise zu beweisen und gestärkt zu werden.

Stärkungsgruppe Lemonkids

LemonKids ist ein Projekt, das in 2019 neu entwickelt und gestartet wurde. Es basiert auf einer Zusammenarbeit zwischen Krebsberatungszentrum Hannover, der Selbsthilfegruppe Pinke Zitronen und Mehr Aktion. Die Finanzierung der Arbeit in 2019 wird durch Mehr Aktion sichergestellt. Eine Fortsetzung in 2020 ist bereits geplant. Ziel
Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass etwa jede siebte Frau (auch ca. 500 Männer pro Jahr) in ihrem Leben an Brustkrebs erkrankt. In Deutschland sind dies etwa 75.000 Neuerkrankte pro Jahr. Viele sind betroffen!
Die Erkrankung bedeutet einen schwerwiegenden Einschnitt in das ganze Leben und hat Konsequenzen für die berufliche, soziale und familiäre Situation. Doch unter der Krankheit leiden nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Angehörigen. Für Kinder und Jugendliche ist diese Situation schwer: sie leiden mit, sind verunsichert. Zudem haben sie auch die Sorge, dass sie ihre Eltern nicht zusätzlich belasten möchten und stellen daher ihre eigenen Bedürfnisse häufig in den Hintergrund. Viele können ihren Kummer und die Ängste nicht in Worte fassen, und reagieren mit Verhaltensauffälligkeiten. In dieser Situation brauchen Kinder und Jugendliche Unterstützung und Stärkung. Denn irgendwie ist Krebs ist sozusagen eine Familiendiagnose.
LemonKids unterstützt Kinder und Jugendliche von (vorwiegend) an Brustkrebs erkrankten Frauen.
In der Gruppe sollen die Kinder gestärkt werde. Sie bekommen den nötigen Raum, um Fragen über die Erkrankung, den Verlauf oder das Befinden ihrer Eltern zu stellen und sich miteinander austauschen zu können. Zu erfahren, dass sie nicht allein sind und es anderen Kindern ähnlich geht, hilft!

Ablauf
Wichtig ist es, dass das Projekt intensiv und fachlich gut begleitet wird. Mit dem Krebsberatungszentrum Hannover Caritas e.V. haben wir einen kompetenten Partner gefunden. Die Einrichtung bietet seit 2009 eine Stärkungsgruppe für Kinder und Jugendliche von an Krebs erkrankten Eltern an. Die Treffen selbst werden von einer erfahrenen Kinder- und Jugendpsychotherapeutin geleitet. Sie arbeitet seit längerem mit dem Krebsberatungszentrum zusammen und hat das Konzept für die Stärkungsgruppe erarbeitet. Unabdingbar und sehr wichtig ist es, dass die Gruppenleiterin Einblick in die Situation der Kinder hat und über den Hintergrund der Kinder und etwaige aktuelle familiäre Probleme informiert ist – und zwar bevor die eigentliche Gruppenarbeit startet. Denn die Krankheitsbilder der Mütter sind ganz unterschiedlich. Einige sind in akuter Behandlung und teilweise gefährdet, während andere ihre Therapie bereits beendet haben. Entsprechend unterschiedlich reagieren folglich auch die Kinder. Daher finden Vorgespräche mit den Eltern statt. Und damit auch die Familien ein klares Bild dessen bekommen, was in der Gruppe passieren wird, gibt es ein Vortreffen, d.h. eine erste gemeinsame Veranstaltung zum Kennenlernen der Familien. Und ganz klar sind hier ebenso Väter willkommen. Abschließend gibt es ein weiteres Elterntreffen, um zu reflektieren, wie es weitergehen kann. Während der Stärkungsgruppenzeit ist die Therapeutin jederzeit für die Eltern erreichbar.
Insgesamt finden zehn Gruppentreffen der Kinder statt, die jeweils zwei Stunden dauern. Mit jüngeren Kindern (max. acht) wird viel mit Tieren gearbeitet, über die sie ihre Emotionen transportieren können. So basteln sie beispielsweise ihre eigenen Stärkungstiere. Sie haben etwas Fantastisches an sich und die Kinderphantasie liefert grenzenlose Ideen dazu. Ältere Kinder nutzen andere Zugänge, beispielsweise Musik und Kreativangebote.
Innerhalb der Gruppe bekommen die Kinder den nötigen Raum, um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Es wird ihnen kein therapeutischer Rahmen gesteckt. Da sie unter ‚ihresgleichen’ sind, wissen die anderen automatisch wie es ihnen geht. Sie können ihrer Angst, Traurigkeit oder Wut Ausdruck verleihen, müssen es aber nicht.

Kinder haben bereits Fähigkeiten – natürliche und auch erlernte – um mit bedrohlichen Situationen umzugehen. Manchmal müssen diese nur ein bisschen gestärkt werden, um wieder einsetzbar zu sein. In der Gruppe wird daher geschaut, ob und wie Gefühle, die zunächst beängstigend sind, veränderbar sind. Der geschützte Rahmen der Gruppe gibt den Raum dafür. Wichtig ist es uns auch, dass die Kinder und ihre Familien die Möglichkeit bekommen über einen längeren Zeitraum professionell begleitet zu werden. Mit dem Konzept „Familien Stärkung“ des Krebsberatungszentrums Hannover, stehen dazu bei Bedarf weitere Beratungsangebote zur Verfügung.

Das Besondere an LemonKids
Das Besondere an dem Konzept LemonKids ist die enge Verzahnung mit der Selbsthilfegruppe Pinke Zitronen e.V.. Dadurch wird nicht nur der Zugang zu den Eltern erheblich erleichtert. Vielmehr besteht meist bereits ein loser Kontakt der Mütter untereinander. Der Weg vom (normalerweise sehr entspannten und hilfreichen) Treffen der Selbsthilfegruppe „Pinke Zitronen“ zur Gruppe der LemonKids ist „nah“. Und die Räumlichkeiten sind dieselben. Folglich ist der Zugang zur Stärkungsgruppe besonders niedrigschwellig: Eltern bestärken sich gegenseitig, teilzunehmen; Erfolge und die Begeisterung sprechen sich schneller bei den Betroffenen herum und führen zu Anerkennung der Aktivität. Zudem kann organisatorisch auf ein bestehendes Netzwerk zugegriffen werden. Das erleichtert die zielgerichtete Ansprache betroffener Eltern.
Während die Kinder in der Gruppe sind, besteht für die Eltern die Möglichkeit sich – wie in der Selbsthilfearbeit – auszutauschen. In den zwei Stunden finden, je nach Lust und Laune der Eltern Spaziergänge statt oder gemeinsames Einkehren in einem Kaffee. Hier wird sich ausgetauscht: Über die Kinder (denn das kann man nicht mit jedem), Reaktionen auf die Gruppentreffen, Situationen zu Hause und veränderte Situationen aufgrund der Krankheit oder über die Krankheit selbst oder ganz einfach über alltägliche fröhliche Dinge. Dies tut den Eltern und damit der ganzen Familie gut.

Elterncafe im Autismus Zentrum

Dass ihr Kind autistisch ist, merken Eltern zunächst am Sozialverhalten: Das Kind bleibt lieber allein, spielt nicht gern mit anderen Kindern. Typisch für alle Autismusformen: Kommunikation und Beziehungen mit anderen Menschen fallen schwer. Autisten interpretieren die Zwischentöne eines Gesprächs, Mimik und Gestik anders als Nicht-Autisten. Das führt nicht selten zu Missverständnissen und bedeutet Frust für alle Beteiligten. Das Leben mit einem oder mehreren autistischen Kindern ist eine große Herausforderung für die ganze Familie. Eltern und Geschwister passen sich der Situation an und mobilisieren alle Kräfte, damit die Familie im Alltag funktioniert – bleiben dabei aber oft selbst auf der Strecke. Häufig kommt dadurch das familiäre System an Grenzen: Eltern trennen sich, ein Elternteil verliert seine berufliche Perspektive oder ein Familienmitglied wird krank. Auch fühlen sich die Familien oft isoliert und alleine gelassen.

Mit der Unterstützung von Mehr Aktion! hat deshalb das Autismus Zentrum Hannover (AZH) das Elterncafé ins Leben gerufen: Ein lebendiger Ort der Begegnung, des Austauschs, der Beteiligung und Information in einem geschützten Raum – frei von gesellschaftlichen Anforderungen und Urteilen. Gemeinsame Aktivitäten und Beratung sollen Eltern außerdem dazu anregen, ihre eigenen Ressourcen neu zu entdecken. Das Elterncafé startet Ende August 2019 mit sechs Terminen als Modellprojekt – ganz bewusst im Freien unter einem schützenden Zeltdach auf dem großzügigen, grünen Außengelände des AZH. Durchgeführt wird es von zwei Pädagog*innen, zwei Studentinnen und einer Mutter, die sich um den Service kümmert. Doch im Wesentlichen bleibt das Café durch das freiwillige Engagement von Eltern und Familien lebendig.

Autismus ist neurologisch-genetisch bedingt. Gehirne autistischer Menschen unterscheiden sich von denen nicht-autistischer Menschen.

Dadurch haben Autisten:

  • eine andere Wahrnehmungsverarbeitung
  • andere Denk- und Lernstile
  • eine andere Art der sozialen Interaktion und Kommunikation
  • einige Verhaltensweisen, die nicht-autistischen Menschen nicht unmittelbar verständlich sind.

1 bis 2 Prozent der Menschen sind autistisch. Keine zwei Menschen im Autismus-Spektrum sind gleich.

Digitale Berufsorientierung mit der “Mars Mission”

Es gibt viele neue Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt – insbesondere zum Thema Umgang mit Digitalität. Junge Menschen stehen vor einer Herausforderung. Das Projekt „Einfach Genial“ suchte nach neuen Wegen, um jungen Menschen mit Vermittlungshemmnissen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern. So entstand eine virtuelle Welt, in der Jugendliche und Unternehmen Kompetenzen und Ideen für die Arbeits- und Lebenswelt von morgen entwickeln. Auch viele Schulen stellt die Digitalisierung vor große Herausforderungen. Zwar hält der
„DigitalPakt Schule“ der Bundesregierung hohe Fördergelder für Investitionen in die digitale Infrastruktur der Schulen bereit, doch oftmals fehlt es an Grundlagen und Ideen, um diese sinnvoll einsetzen zu können und das Thema anzupacken. Die Einfach Genial gGmbH ist Partner für Schulen, um diesen Herausforderungen mit innovativen Ideen mutig zu begegnen, insbesondere mit dem noch in der Entwicklung befindlichen Projekt „Mars Mission“ zum Thema Berufsorientierung haben die Macherinnen von „Einfach Genial“ ein ideales Experimentierfeld geschaffen, um mit schulischen Partnern digitales Lernen weiterzuentwickeln. „Mars Mission 2019“ ist ein Projekt der Einfach Genial gGmbH zur vertieften, inklusiven Berufsorientierung, vorrangig für SchülerInnen mit Förderbedarf – aber nicht nur. Es ist ein attraktives Angebot, das LehrerInnen im Rahmen von digitalem Unterricht einbinden können. Die Idee des Projektes ist es, dass Jugendliche in der Gaming-Welt der „Mars Mission“ anhand der virtuellen „Besiedlung des Mars“ quasi die aktuelle Arbeitswelt virtuell erleben können. Dabei erkunden die SchülerInnen in Simulationen Berufsfelder und erproben einzelne Arbeitsprozesse. Dafür werden auf dem virtuellen Mars Bereiche konkreter Unternehmen nachgebildet. Auch Informationen zu den Berufen und Unternehmen bis hin zu Kontaktadressen, AnsprechpartnerInnen und Hinweisen zum Bewerbungsverfahren sollen zukünftig in der „Mars-Siedlung“ abrufbar sein. Die spielerische Herangehensweise
(Gamifikation) steigert die Motivation der SchülerInnen, sich mit Themen der Berufsorientierung überhaupt auseinanderzusetzen. Mehr Aktion für Kinder und Jugend unterstützt dieses Projekt, denn ist sehr zukunftsorientiert. Klar ist auch, dass an dieser Stelle die Zeit drängt und wir unsere Folgegenerationen schnellstmöglich fit für digitale Welten und Berufe machen müssen. Mit dieser Unterstützung möchten wir auch die Entwicklung in den Schulen diesbezüglich fördern.

   

Im Kindertreffpunkt Domino

Der Kindertreffpunkt Domino der ev.-luth. Kirchengemeinde Linden-Nord ist als Modellprojekt im Sommer 1978 gestartet, hat sich seinerzeit schnell bewährt und wurde eine dauerhafte Einrichtung offener Kinder- und Jugendarbeit. Im Domino wird ‚Offene-Tür-Arbeit‘ angeboten. Die Kinder kommen und gehen, wann sie wollen. Das ist etwas Besonderes! Der Leitgedanke der pädagogischen Arbeit im Domino ist der lebensweltorientierte Ansatz. Das bedeutet, dass die unterschiedlichen Lebenswelten der Kinder und Jugendlichen im Alter von 6 bis 13 Jahren berücksichtigt werden. Angeboten werden zum Beispiel ein Medienprojekt sowie gemeinsame Gesellschaftsspiele, Billard, Krökeln und Fußball. Mittwochs ist immer Turniertag, dienstags Mädchentag, donnerstags Jungentag und einmal im Monat findet die Kinderkonferenz statt, wo neue Ideen eingebracht werden können.

Wesentlicher Teil des Angebots ist der pädagogische Mittagstisch: Eine Küchenkraft bereitet vor Ort an jedem Werktag eine gesunde und frische Mittagsmahlzeit zu, außerdem gibt es täglich Obst und – besonders wichtig – eine Betreuung durch pädagogische MitarbeiterInnen: Sie setzen sich zu den Kindern, hören aufmerksam zu und sind wichtige AnsprechpartnerInnen für alle Alltagsthemen, die die Kinder bewegen.

Nebenbei wird der wertschätzende Umgang mit Essen, Benimmregeln, Tischdecken und Aufräumen beim pädagogischen Mittagstisch genauso thematisiert und eingeübt wie gesunde Ernährung mit frischen Zutaten und einfach gemeinsam am Tisch zu sitzen und eine Mahlzeit einzunehmen. Von zu Hause kennen viele Kinder nur Fertigprodukte. Deshalb sind auch die ergänzenden Kochprojekte sinnvoll: Hier wird gemeinsam geschnippelt und gekocht, nach Rezepten, die die Kinder auch zu Hause nachkochen können, und vorher beim Einkaufen noch der Umgang mit Geld geübt. Alles wertvoll für die spätere Lebenstüchtigkeit und Alltagsbewältigung.

Mars Mission mit “Einfach Genial”

Die Macherinnen dieses Projektes beschäftigt die Frage, wie Berufsorientierung in der
Zukunft aussehen kann. Sie beschäftigen sich immer wieder mit den neuen
Anforderungen auf dem Arbeitsmarkt und suchen nach neuen Wegen, um jungen
Menschen mit Vermittlungshemmnissen den Zugang zu erleichtern. Ihre Antwort ist die
Erschaffung einer virtuellen Welt, damit Jugendliche und Unternehmen Kompetenzen
und Ideen für die Arbeits- und Lebenswelt von morgen entwickeln. Mit der Mars-
Mission können die Jugendlichen quasi ihre Welt von morgen gestalten. Die
spielerische Herangehensweise (Gamifikation) soll dabei ihre Motivation steigern, sich
mit Themen der Berufsorientierung nachhaltig auseinanderzusetzen, ohne dass dabei
Langeweile aufkommt.
Natürlich beschäftigen sich hier Jugendliche nur thematisch mit der Idee einer Mars-
Mission. Und im Kern geht es dabei um Berufsorientierung durch Gamifikation (Einsatz
von spieltypischen Elementen) und das Anstoßen kreativer Denkprozesse. Mit der
„Mars Mission“ ist bei Einfach Genial mit der Unterstützung von Mehr Aktion ein
neues kreatives Projekt gestartet, bei dem die vertiefte inklusive Berufsorientierung mit
Fokus auf agilem Arbeiten mit digitalen Tools im Mittelpunkt steht.


Das Einfach-Genial-Team erschuf dafür eine virtuelle Welt mit einer Siedlung und einer
Auswahl an Organisationen und Produktionsstätten für die neuen „Marsbewohner“. Die
Jugendlichen beteiligen sich an der weiteren Entwicklung der Neubesiedlung und
gestalten sozusagen ihre Lebens- und Berufswelten auf der virtuellen
„Marsoberfläche“. Anhand von Simulationen können sie dort unterschiedliche
Berufsfelder erkunden sowie Arbeitsprozesse ausprobieren und üben. Für das
Eintauchen in die virtuelle Welt stehen ihnen Virtual-Reality-Brillen zur Verfügung.

Für ihre „Besiedlung des Mars“ können die Jugendlichen analoge und digitale
Möglichkeiten der Gestaltung und Umsetzung entsprechend ihren Neigungen nutzen.
Das Einfach-Genial-Junior-Team baut außerdem einen Betriebspark auf, mit dem die
Jugendlichen künftig realistische Arbeitsprozesse auf dem virtuellen Mars erleben
können. Unterstützt wird es dabei durch Unternehmen aus dem betriebseigenen
Netzwerk. Neben der Berufsorientierung ergibt es sich für die Jugendlichen auch, dass
sie sich bei der Gestaltung der Mars-Siedlung auch mit wichtigen Themen wie
Energiegewinnung, Politik, Mobilität, Unterhaltung, Ernährung etc. auseinandersetzen.

Inkubatoren für die Frühchenstation

Hat es ein Kind besonders eilig zur Welt zu kommen, kann heute viel getan werden,
um seine Chancen zu verbessern, auch außerhalb des Mutterleibs noch zu einem
gesunden Säugling heranzureifen. Im Kinder- und Jugendkrankenhaus AUF DER
BULT sind etwa zehn Prozent der kleinen Patienten der Neugeborenen-Station
Frühgeborene mit einem Geburtsgewicht unter 1500 Gramm. Die intensivmedizinische
Versorgung der Winzlinge erfordert viel Erfahrung und neuestes medizinisches
Equipment. Besonders wichtig ist auch, dass die Eltern in die Betreuung der Kleinen
einbezogen werden, um emotionale und körperliche Nähe zu ermöglichen.
Frühgeborene sind Babys, die vor der 37. Schwangerschaftswoche geboren wurden.
Heute haben sie bereits ab der 24. Schwangerschaftswoche oder einem
Geburtsgewicht von ca. 500 Gramm eine reelle Chance zu überleben. Ein zu früh
geborenes Kind wird nach der Geburt meist direkt in einen Brutkasten (Inkubator)
gelegt. Dort werden Temperatur und Luftfeuchtigkeit konstant gehalten, die Atmung
überwacht und bei Bedarf Sauerstoff zugeführt. Viele notwendige Behandlungen
können im Inkubator durchgeführt werden. Der Brutkasten bietet außerdem Schutz vor
Infektionen und belastenden Umwelteinflüssen und erhöht somit die
Überlebenschancen der Frühchen.
Doch die Inkubatoren-Generation, die im Kinderkrankenhaus AUF DER BULT bislang genutzt wurde, entspricht nicht mehr den modernen Anforderungen. Es gibt zudem nicht genug Brutkästen, sodass die vorhandenen teilweise doppelt belegt werden müssen.
Aufgrund der allgemein schwierigen Situation in der Krankenhauswirtschaft, kann die
Finanzierung neuer Inkubatoren nicht aus eigener Kraft durch das Kinderkrankenhaus
realisiert werden. Mehr Aktion hat sich daher am Kauf der sehr teuren Inkubatoren der
neuesten Generation beteiligt, um den Allerkleinsten im Kinder- und
Jugendkrankenhaus den optimalen Start ins Leben zu ermöglichen.

Ausstattung der neuen Inkubatoren:
• Die Reanimations-Inkubatoren sind auch als Intensiv-Pflegeeinheiten geeignet.
• Der Intensiv-Inkubator sorgt für konstante Wärmeregulation, synchronisierte
Wärmequellen schützen vor Wärmeverlust. Die Beatmungsluft kann angewärmt und
befeuchtet werden.
• Ein Transportmodul mit optionaler Beatmung und Monitoring bietet eine optimale
Lösung für den Transport in der Klinik.
• Durch die sensibler einstellbare Atmosphäre kann die Umgebung auf das jeweilige
Frühchen abgestimmt werden, wodurch spätere Behinderungen wie z. B. Taubheit o.
Blindheit vermieden werden.
• Bessere Liegeauflage: Die Schaumkernmatratzen sind einerseits weich, verhindern
aber auch, dass sich die kleinen Patienten durchliegen.
• Eine elektronische Waage ist komplett integriert, Messergebnisse
sowie Gewichtstrends werden auf der Bedienoberfläche angezeigt.
• Die integrierte Sauerstoffsensor-Technologie basiert auf einem elektro-chemischen
Messverfahren.

Freizeitsamstage für INTENSIVkinder

Jugendliche sind normalerweise dauernd und wo es geht mit Gleichaltrigen zusammen. Für mehrfach behinderte und schwer pflegebedürftige junge Menschen im Rollstuhl oder mit Beatmungsgerät ist das leider nicht einfach. Um aus dem Haus zu kommen, brauchen sie qualifizierte Begleitung. Das sind in der Regel die Eltern. Doch welcher Jugendliche will schon mit Mutter oder Vater abends in den Club oder nachmittags ins Szene-Lokal?

Dieses Problem wird vom Elternverein „Intensivkinder zuhause Niedersachsen“ aufgegriffen. Dort wurde das Projekt „Mit Freunden unterwegs – mittendrin statt außen vor“ ins Leben gerufen. Darin sollen schwer behinderten bzw. schwerkranken jungen Menschen Begegnungen mit Gleichaltrigen ermöglicht werden. Wenn sie etwas unternehmen wollen, werden den Jugendlichen qualifizierte junge BetreuerInnen zur Seite gestellt. Sie sind überwiegend Heilerziehungspfleger, Krankenschwestern und pädagogisch-pflegerische Assistenzkräfte und den Kindern oft bereits aus früheren Aktionen bekannt. Daher vertrauen ihnen auch die Eltern der Intensivkinder, Sie selbst werden an diesem Tag von der Pflege entlastet und haben einmal Zeit für sich oder mit Geschwisterkindern etwas “Besonderes” unternehmen.

Den Kindern werden an den Samstagen unterschiedliche Angebote unterbreitet. Vieles findet “außer Haus” statt. So gibt es beispielsweise Zoobesuche, Besuche im Sealife, am Steinhuder Meer, Kino oder Indoor-Spielplätzen. Sie waren auch schon zu “shoppen” in der Stadt, Eben immer dort, wo in bisschen Musik und Trubel ist.

Schulmaterialien für den Lichtpunkt

Linden-Süd ist ein lebendiger, bunter Teil Hannovers, doch im Quartier muss man sich mit vielfältigen Problemen auseinandersetzen. Hier leben im Stadtvergleich besonders viele Familien und Alleinerziehende, die Transferleistungen erhalten, außerdem viele Menschen mit Migrationshintergrund. Es gibt Familien mit sozialen Problemen wo nicht selten auch Alkohol- oder Drogensucht eine Rolle spielen. Linden-Süd ist gleichzeitig ein junger Stadtteil mit überdurchschnittlich vielen Kindern und Jugendlichen, was dazu führt, dass diese eben auch oft von Armut betroffen sind.

Der LICHTPUNKT, Soziale Beratungsstelle in den Räumlichkeiten des Fairkauf in der Deisterstraße, ist daher für viele im Viertel Anlaufstelle und Hoffnungsschimmer. Die SozialarbeiterInnen des LICHTPUNKT beraten, begleiten und unterstützen bei Anträgen und Behördengängen, in Erziehungsfragen oder bei Schulproblemen sowie auch bei familiären und persönlichen Konflikten. Und das neben Deutsch auch in Türkisch, Serbisch, Russisch und Englisch.

In diesem Jahr haben wir den Lichtpunkt unterstützt und dabei besonders Familien mit Schulanfänger Hilfe zukommen lassen. Die Kosten für eine Schul-Erstausstattung sind sehr hoch und können von vielen Familien kaum getragen werden. Finanziert wurden Schulranzen, Turnbeutel und Schulmaterialien.

 

 

Domiziel

Im Frühjahr 2014 wurde in Dedenhausen bei Uetze das Domiziel eröffnet, das zehn bis sechzehn Jahre alten Jungen eine neue Heimat gibt.

Es sind Kinder aus schwierigen Verhältnissen, vielen von ihnen fehlt die Geborgenheit eines intakten Elternhauses, z.T. mit Verwahrlosungstendenzen. Sie sind großteils schon bei Polizei und Jugendamt aufgefallen. Viele der Kinder bringen sehr auffällige Verhaltensweisen mit. Sie haben beispielsweise ein gestörtes Sozialverhalten, schwache Impulskontrollen, selbst- oder fremdverletzendes Verhalten oder auch delinquentes Verhalten. Einige haben Alkohol- und Drogenprobleme. Es gibt Kinder mit psychosomatischen Beschwerden, Zwangsstörungen, Ängsten, depressiven Symptomen oder auch aggressivem oder hyperaktivem Verhalten. Bei den meisten vereint sich gleich eine Vielzahl von Auffälligkeiten. Die Kinder haben bereits viel hinter sich und die meisten von ihnen waren bereits in vielen unterschiedlichen Einrichtungen. Damit einhergehend gibt es massive Entwicklungsrückstände, auch in schulischer Hinsicht. So haben sie große Schulschwierigkeiten, sind z.T. gar nicht beschulbar.

Diese Kinder haben bereits viele Stationen hinter sich und nirgendwo dauerhaft ein Zuhause gefunden. Bislang scheinen die Probleme für sie unüberbrückbar und die Station Jugendgefängnis nur noch eine Frage der Zeit. Ihre Orientierungslosigkeit macht ihnen Angst und führt zu Aggressionen.

Dafür, dass die Jungen solch auffälliges Verhalten zeigen, gibt es erfahrungsgemäß Gründe. Häufig wurden sie bereits im Säuglingsalter emotional und körperlich vernachlässigt. Auch körperliche und sexuelle Misshandlungen gehen den Problemen voraus.

Mit einem familienähnlichen Zusammenleben, verlässlichen Beziehungen, einem engen gleichbleibenden Rahmen und viel Struktur will ihnen das Projekt Domiziel eine neue, positive Richtung für ihr Leben geben. Im Domiziel bekommen sie unbedingten Schutz und Rückhalt. Dies ist die Basis dafür, sich zu öffnen und Neues zu wagen. Sie bekommen Sicherheit und somit Raum für Entwicklung und Reifung.

Um dies zu erreichen, wird ihr Tagesablauf gut durchstrukturiert, Regeln müssen konsequent eingehalten werden. Dazu arbeiten alle Mitarbeiter eng zusammen und tauschen sich permanent aus. Die Betreuer schauen genau auf das Verhalten der Jungen und intervenieren bei Regel- oder Normverletzungen konsequent. Dieses dauernde Einmischen ist zunächst zwar sehr aufwändig für die Erzieher, jedoch lohnt sich diese Intervention. Denn damit wird den Kindern frühzeitig Fehlverhalten aufgezeigt und ihnen immer wieder die Möglichkeit zur Korrektur gegeben.

Parallel dazu werden schlummernde Ressourcen und Talente der Kinder hervorgearbeitet und gefördert. Dies gibt den Jungen die Möglichkeit sich aus sich selbst heraus positiv zu entwickeln und Erfolgserlebnisse zu haben. Die Angebote im Domiziel sind entsprechend groß und Hausmutter bzw. –vater kümmern sich intensiv darum auf die Belange und Interessen der Kinder einzugehen. So gibt es beispielsweise einen Tischler, der mit den Jugendlichen arbeitet und zusammen werden Möbel gebaut. Da werden einerseits Fähigkeiten vermittelt, aber auch die Möglichkeit gezeigt, etwas Produktives und Nützliches zu erschaffen.

Viel Wert wird im Domiziel auch auf gute Schulbildung gelegt. Schule findet intensiv mit viel Förderung in kleinen Gruppen statt. Erfahrungsgemäß ist damit die Beschulung bereits nach wenigen Wochen voll möglich und starke Defizite und Lücken können schnell aufgeholt werden, sofern die nötigen kognitiven Fähigkeiten vorhanden sind.

Wir sind von dem Konzept des Domiziel überzeugt und unterstützen die dortige Arbeit bereits seit langen. In Absprache mit unseren Spendern haben wir Domiziel Mittel zur Verfügung gestellt, die den Projektleitern zur freien Verfügung standen. Wir wissen, dass immer mal wieder nötige Ausgaben für die Jungen getätigt werden müssen. Auf diese Weise soll schnell und unkompliziert geholfen werden.