Stärkungsgruppe Lemonkids

LemonKids ist ein Projekt, das in 2019 neu entwickelt und gestartet wurde. Es basiert auf einer Zusammenarbeit zwischen Krebsberatungszentrum Hannover, der Selbsthilfegruppe Pinke Zitronen und Mehr Aktion. Die Finanzierung der Arbeit in 2019 wird durch Mehr Aktion sichergestellt. Eine Fortsetzung in 2020 ist bereits geplant. Ziel
Mittlerweile kann man davon ausgehen, dass etwa jede siebte Frau (auch ca. 500 Männer pro Jahr) in ihrem Leben an Brustkrebs erkrankt. In Deutschland sind dies etwa 75.000 Neuerkrankte pro Jahr. Viele sind betroffen!
Die Erkrankung bedeutet einen schwerwiegenden Einschnitt in das ganze Leben und hat Konsequenzen für die berufliche, soziale und familiäre Situation. Doch unter der Krankheit leiden nicht nur die Betroffenen selbst, sondern auch die Angehörigen. Für Kinder und Jugendliche ist diese Situation schwer: sie leiden mit, sind verunsichert. Zudem haben sie auch die Sorge, dass sie ihre Eltern nicht zusätzlich belasten möchten und stellen daher ihre eigenen Bedürfnisse häufig in den Hintergrund. Viele können ihren Kummer und die Ängste nicht in Worte fassen, und reagieren mit Verhaltensauffälligkeiten. In dieser Situation brauchen Kinder und Jugendliche Unterstützung und Stärkung. Denn irgendwie ist Krebs ist sozusagen eine Familiendiagnose.
LemonKids unterstützt Kinder und Jugendliche von (vorwiegend) an Brustkrebs erkrankten Frauen.
In der Gruppe sollen die Kinder gestärkt werde. Sie bekommen den nötigen Raum, um Fragen über die Erkrankung, den Verlauf oder das Befinden ihrer Eltern zu stellen und sich miteinander austauschen zu können. Zu erfahren, dass sie nicht allein sind und es anderen Kindern ähnlich geht, hilft!

Ablauf
Wichtig ist es, dass das Projekt intensiv und fachlich gut begleitet wird. Mit dem Krebsberatungszentrum Hannover Caritas e.V. haben wir einen kompetenten Partner gefunden. Die Einrichtung bietet seit 2009 eine Stärkungsgruppe für Kinder und Jugendliche von an Krebs erkrankten Eltern an. Die Treffen selbst werden von einer erfahrenen Kinder- und Jugendpsychotherapeutin geleitet. Sie arbeitet seit längerem mit dem Krebsberatungszentrum zusammen und hat das Konzept für die Stärkungsgruppe erarbeitet. Unabdingbar und sehr wichtig ist es, dass die Gruppenleiterin Einblick in die Situation der Kinder hat und über den Hintergrund der Kinder und etwaige aktuelle familiäre Probleme informiert ist – und zwar bevor die eigentliche Gruppenarbeit startet. Denn die Krankheitsbilder der Mütter sind ganz unterschiedlich. Einige sind in akuter Behandlung und teilweise gefährdet, während andere ihre Therapie bereits beendet haben. Entsprechend unterschiedlich reagieren folglich auch die Kinder. Daher finden Vorgespräche mit den Eltern statt. Und damit auch die Familien ein klares Bild dessen bekommen, was in der Gruppe passieren wird, gibt es ein Vortreffen, d.h. eine erste gemeinsame Veranstaltung zum Kennenlernen der Familien. Und ganz klar sind hier ebenso Väter willkommen. Abschließend gibt es ein weiteres Elterntreffen, um zu reflektieren, wie es weitergehen kann. Während der Stärkungsgruppenzeit ist die Therapeutin jederzeit für die Eltern erreichbar.
Insgesamt finden zehn Gruppentreffen der Kinder statt, die jeweils zwei Stunden dauern. Mit jüngeren Kindern (max. acht) wird viel mit Tieren gearbeitet, über die sie ihre Emotionen transportieren können. So basteln sie beispielsweise ihre eigenen Stärkungstiere. Sie haben etwas Fantastisches an sich und die Kinderphantasie liefert grenzenlose Ideen dazu. Ältere Kinder nutzen andere Zugänge, beispielsweise Musik und Kreativangebote.
Innerhalb der Gruppe bekommen die Kinder den nötigen Raum, um ihren Gefühlen Ausdruck zu verleihen. Es wird ihnen kein therapeutischer Rahmen gesteckt. Da sie unter ‚ihresgleichen’ sind, wissen die anderen automatisch wie es ihnen geht. Sie können ihrer Angst, Traurigkeit oder Wut Ausdruck verleihen, müssen es aber nicht.

Kinder haben bereits Fähigkeiten – natürliche und auch erlernte – um mit bedrohlichen Situationen umzugehen. Manchmal müssen diese nur ein bisschen gestärkt werden, um wieder einsetzbar zu sein. In der Gruppe wird daher geschaut, ob und wie Gefühle, die zunächst beängstigend sind, veränderbar sind. Der geschützte Rahmen der Gruppe gibt den Raum dafür. Wichtig ist es uns auch, dass die Kinder und ihre Familien die Möglichkeit bekommen über einen längeren Zeitraum professionell begleitet zu werden. Mit dem Konzept „Familien Stärkung“ des Krebsberatungszentrums Hannover, stehen dazu bei Bedarf weitere Beratungsangebote zur Verfügung.

Das Besondere an LemonKids
Das Besondere an dem Konzept LemonKids ist die enge Verzahnung mit der Selbsthilfegruppe Pinke Zitronen e.V.. Dadurch wird nicht nur der Zugang zu den Eltern erheblich erleichtert. Vielmehr besteht meist bereits ein loser Kontakt der Mütter untereinander. Der Weg vom (normalerweise sehr entspannten und hilfreichen) Treffen der Selbsthilfegruppe „Pinke Zitronen“ zur Gruppe der LemonKids ist „nah“. Und die Räumlichkeiten sind dieselben. Folglich ist der Zugang zur Stärkungsgruppe besonders niedrigschwellig: Eltern bestärken sich gegenseitig, teilzunehmen; Erfolge und die Begeisterung sprechen sich schneller bei den Betroffenen herum und führen zu Anerkennung der Aktivität. Zudem kann organisatorisch auf ein bestehendes Netzwerk zugegriffen werden. Das erleichtert die zielgerichtete Ansprache betroffener Eltern.
Während die Kinder in der Gruppe sind, besteht für die Eltern die Möglichkeit sich – wie in der Selbsthilfearbeit – auszutauschen. In den zwei Stunden finden, je nach Lust und Laune der Eltern Spaziergänge statt oder gemeinsames Einkehren in einem Kaffee. Hier wird sich ausgetauscht: Über die Kinder (denn das kann man nicht mit jedem), Reaktionen auf die Gruppentreffen, Situationen zu Hause und veränderte Situationen aufgrund der Krankheit oder über die Krankheit selbst oder ganz einfach über alltägliche fröhliche Dinge. Dies tut den Eltern und damit der ganzen Familie gut.

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